Von Ego-Shootern, von Nazis und anderen Monstern
admin am 8. Juli 2010
Den Ego-Shooter gibt es streng genommen schon seit den frühen 1970er Jahren. So richtig populär wurde das Genre dann allerdings erst zwanzig Jahre später. Der Ich-Erzähler: der Ego-Shooter wird auch first person shooter genannt, da die Perspektive der Darstellung unvermittelt jene des Protagonisten ist. Eine interaktive Leerdeixis gewissermaßen, die durch den Spieler gefüllt wird. Die ersten Vertreter dieses Genres waren Spasim und Maze War von 1973; dieses war ein Labyrinthspiel, jenes eine Weltraumsimulation (SPAce SIMulation). Es ist auch nicht als ob es eine Pause gegeben hätte, bis es dann 1993 so richtig losging; nein, kontinuierlich wurden die Ballerspiele in der ersten Person Singular programmiert und fortentwickelt. 1993 kamen dann Doom und Wolfenstein, die zwar beide indiziert wurden von der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien, aber Maßstäbe setzten und eine für die Gattung bis dato unbekannte Verbreitung erfuhren. Hersteller beider Spiele war die Firma id Software, die durch die Gewaltdarstellung in diesen Spielen und ihren Nachfolgern berüchtigt geworden ist: Doom 3 von 1993 ist der erste Ego-Shooter aus dem Hause id, der nicht auf dem Index gelandet ist.
Wolfenstein und das Verbot
Der Durchbruch für id und das Ego-Shooter-Genre kam 1993 mit Wolfenstein. Hatte man 1991 schon mit Hovertank 3D in dieser Richtung gearbeitet, wurde es zwei Jahre später ernst: mit Wolfenstein 3D, das angelehnt ist an ein C64-Spiel von 1981, begann die Hetztjagd auf Nazis. Verständlich, dass das Spiel sich schnell großer Beliebtheit erfreute. In Deutschland wurde allerdings der freie Verkauf untersagt – nicht in erster Linie der Gewaltdarstellungen wegen, sondern wegen der Verwendung verfassungswidriger Symbole. Da war es den Jugendschützern offenbar gleichgültig, dass es sich um ein antifaschistisches Spiel handelte, in dem die Hakenkreuzfahnen zur Requisite im Reich des Bösen gehörten.
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